Mit dieser zweiten Ausgabe der „Arbeits- und Industriesoziologische Studien" (AIS-Studien) setzt die Sektion Arbeits- und Industriesoziologie in der Deutschen Gesell-schaft für Soziologie (DGS) die Publikation aktueller Ergebnisse der arbeits- und in-dustriesoziologischen Forschung in Deutschland fort. Einmal mehr hofft der Herausgeberkreis, damit die Sichtbarkeit des Faches nach „außen" als auch die Kommunikation nach „innen" innerhalb der Community zu fördern. Positive Rückmeldungen nach der ersten Ausgabe vom Mai diesen Jahres haben uns darin ermutigt. Mit der vorliegenden Ausgabe setzen wir den eingeschlagenen Weg fort, ein Online-Journal zu publizieren, dessen wissenschaftliche Beiträge auf den Papers der Sektionssit-zungen basieren. Darüber hinaus wird, wie auch schon im ersten Heft, die Abteilung der Beiträge um einen Bereich mit Mitteilungen zu neuen Forschungs- und Dissertationsprojekten ergänzt.
Das vorliegende Heft beginnt mit einem Beitrag von Burkart Lutz und Ingo Wiekert (ZSH Halle) über dramatische Strukturveränderungen auf den Arbeitsmärkten in den neuen Bundesländern und die Frage, wie Betriebe damit umgehen. Gestützt auf reiches empirisch-statistisches Material arbeiten die Autoren einige wesentliche Ent-wicklungstendenzen heraus und skizzieren abschließend sehr knapp zwei alternative Szenarien zukünftiger betrieblicher Strategien, die zugleich eine Reihe konzeptueller Fragen aufwerfen. Insbesondere geht es dabei um die Frage, wie die Verhaltens-muster und Strukturen vieler ostdeutscher Betriebe mit grundlegenden, paradigmati-schen Annahmen betrieblicher Rationalität, insbesondere mit dem Axiom hochgradiger, eindeutig interessengesteuerter Zweckrationalität betrieblichen Verhaltens, vereinbar seien. Zweifellos wird damit eine zentrale Prämisse der bisherigen industrie-soziologischen Forschung zu Diskussion gestellt.
Die weiteren Beiträge dieses Heftes entstammen der Frühjahrssitzung der Sektion Arbeits- und Industriesoziologie in Berlin, die das Thema „Interessen in der globalisierten Arbeitswelt" zum Gegenstand hatte. Das Interessenhandeln von Beschäftigten in einem weiten Sinne gehört seit jeher zu den zentralen Themen der Sektion Arbeits- und Industriesoziologie. In den letzten Jahren wurde der Wandel dieses Interessenhandelns vor allem mit Blick auf den institutionellen Wandel des Systems industrieller Beziehungen untersucht. Dezentralisierung, Verbetrieblichung und Erosion der Bindungskräfte kollektiver Akteure sind hier zentrale Befunde. Erst seit kurzem rückt die Frage nach neuen Strategien kollektiven Handelns und neuen Formen individuellen wie kollektiven Interessenhandelns stärker in den Mittelpunkt. Auf diese Debatten aufbauend, legte die Berliner Tagung den Fokus auf die Beschäftigten als Akteure von Interessenhandeln und deren Ressourcen unter Bedingungen von Globalisierung, Rekommodifzierung und Prekarisierung. Ziel war es, die unterschiedlichen Ebenen des Wandels von Interessenhandeln systematischer als es in der Debatte getan wird, aufeinander zu beziehen und in ihren praktischen wie theoretischen Konsequenzen auszuloten.
Forschungsvorhaben: Ökonomische Eliten im erweiterten Europa: Rekrutierung, Karrieren und Handlungsorientierungen von Managern
Ausgangspunkt des A2-Projektes bildete die These einer doppelten Transformation, bei der die Transformation vom Plan zum Markt in Ostdeutschland von einer Erosion der koordinierten Marktwirtschaft oder des „Rheinischen Kapitalismus“ überlagert wird. Untersucht haben wir, inwieweit die Führungskräfte mittelständischer Industrieunternehmen angelsächsische Leitbilder des „Shareholder Value“, die bei den deutschen Großunternehmen inzwischen verbreitet sind, übernehmen, was treibende Kräfte für einen Konzeptwechsel im Management sind, und welche Ost-West-Differenzen sich in der Unternehmensführung perpetuieren. Kernstück des Projektes stellt ein Panel dar, das bisher zwei Wellen aufweist (2002 und 2005) und durch vertiefende, qualitative Interviews vor allem mit Geschäftsführern begleitet wurde.
Als zentrale Ergebnisse der ersten beiden Projektphasen lassen sich festhalten: Trotz geringem Gewicht neuer institutioneller Investoren und geringem direkten Einfluss der Kapitalmärkte hat die Bedeutung renditeorientierter, betriebswirtschaftlicher Instrumentarien und Kriterien für die Unternehmensführung im industriellen Mittelstand zugenommen. Auch wenn der Mittelstand das Shareholder-Value-Konzept als Ideologie der Großen oftmals ablehnt, beeinflusst die betriebswirtschaftliche Professionalisierung und Formalisierung der Unternehmensführung die Definition von Unternehmenszielen. Während hierbei Ost-West-Differenzen kaum eine Rolle spielen, sind sie umso relevanter bei den Akteuren selbst. Die Geschäftsführer ostdeutscher Unternehmen sind immer noch wenngleich mit abnehmender Tendenz überwiegend Ingenieure und setzen in ihrem Führungsverständnis stärker auf die Legitimierung von Entscheidungen gegenüber Mitarbeitern durch herausgehobenes Fachwissen. Unsere Panelanalysen belegen zudem die Stabilität der während der ersten Projektphase gefundenen, gesellschaftspolitischen Orientierungsmuster („Konkurrenzkapitalisten“ und „soziale Marktwirtschaftler“, mit einer Dominanz des ersten unter den Ostdeutschen, siehe Graphik). Doch trotz dieser weit verbreiteten, marktaffinen Einstellungen zeichnet ostdeutsche Unternehmensleiter häufig ein Bewusstsein ihrer besonderen Rolle als Akteure im Transformationsprozess aus, das als Verantwortungsgefühl gegenüber der Region, dem Betrieb oder den Beschäftigten geäußert wird.
In der dritten Förderperiode werden die Ergebnisse aus den vorherigen Phasen stärker in den Kontext der international vergleichenden Eliten- und Transformationsforschung gestellt. Dazu weiten wir die Erhebung auf Mittelosteuropa, das heißt auf Polen und Ungarn, aus, und können so Unterschiede und Gemeinsamkeiten der ostdeutschen mit anderen mitteleuropäischen Konstellationen nach Abschluss der Transformation prüfen. Neben klassischen Fragen der Elitenrekrutierung und -karrieren wird neu die Wahrnehmung unternehmerischer Verantwortung untersucht, mit der Wirtschaftseliten ihr Agieren gesellschaftlich legitimieren und ihre Definition von Unternehmenszielen begründen. Damit setzen wir die kapitalismustheoretische Fragestellung des A2-Projektes fort.
In der dritten Phase werden systematisch auch Manager aus Großunternehmen in die Untersuchung einbezogen, um stärker als bisher den Einfluss von Unternehmensgröße und Eigentum auf Rekrutierung, Karrieremuster und Handlungsorientierungen in den Blick zu nehmen. Die bewährten Methoden der Telefonbefragung und qualitativer Leitfadeninterviews werden beibehalten. Das Panel wird mit leichten Modifikationen fortgeführt. Zudem kooperieren wir mit anderen Projekten bei einer geplanten Bevölkerungsbefragung, in der Einschätzungen von Eliten durch die Bevölkerung erhoben werden.
Durchführende Stelle: Institut für Soziologie, Friedrich-Schiller-Universität Jena
Forschungsprojekt im Sonderforschungsbereich 580 „Gesellschaftliche Entwicklungen nach dem Systemumbruch“
Projektteam: Katharina Bluhm; Bernd Martens und Vera Trappmann
Laufzeit: Juli 2008 bis Juni 2012
Forschungsvorhaben: PiA – Professionalisierung interaktiver Arbeit. Dienstleistungsqualität als kooperative Leistung von Kunde und Fachkraft
Das Verbundprojekt PiA thematisiert interaktive Arbeit als eine Leistung eigener Art, die sich dadurch auszeichnet, dass Kunde und Dienstleistungsfachkraft für die Erbringung einer Dienstleistung aktiv zusammenarbeiten müssen. Der aktuelle Trend zur erweiterten Integration des Kunden in die Wertschöpfungskette verstärkt die Anforderungen an diese Zusammenarbeit. Sowohl traditionelle Leitbilder wie „Der Kunde ist König“ wie auch die Auffassung, dass sich Laien Experten selbstverständlich unterzuordnen hätten, fördern ein Verständnis von Dienstleistung als Herrschaftsbeziehung und erweisen sich so als nicht mehr zeitgemäß. Gefragt sind vielmehr neue Leitbilder, die die gelingende Kooperation und die wechselseitige Wertschätzung von Kunde und Fachkraft als Qualitätskriterien in den Vordergrund stellen sowie Arbeitsbedingungen und Qualifikationsprofile, die eine solche Wertschätzung ermöglichen.
Ziel des Vorhabens ist es, die interaktive Arbeit, die Mitarbeitende und Kunden erbringen, als Innovationsquelle für die Entwicklung und Förderung von Dienstleistungsqualität nutzbar zu machen. Dabei werden die Perspektiven der Kunden und der Dienstleistungsfachkräfte gleichermaßen verfolgt, wodurch die vertrauten Felder der Arbeitsgestaltung und Qualifizierung entscheidend erweitert werden: Gegenstand sind nicht nur die Arbeitsbedingungen und Kompetenzen der Beschäftigten mit Kundenkontakt, sondern auch die Arbeitsbedingungen und Kompetenzen ihrer Interaktionspartner, der Kunden. In der Arbeitsteilung der beteiligten wissenschaftlichen Institute kommt dies darin zum Ausdruck, dass interaktive Arbeit vom ISF München aus der Beschäftigtenperspektive, von der TU Chemnitz und der Universität Augsburg aus der Kundenperspektive in den Blick genommen wird.
In das Projekt werden Dienstleistungen in den Bereichen der Hotellerie, der Verkehrsdienstleistungen, der Altenpflege und der Call-Center-Arbeit einbezogen. Gemeinsam mit vier großen Dienstleistungsunternehmen werden Wege zur Professionalisierung interaktiver Dienstleistungsarbeit entwickelt, erprobt und in die Breite transferiert.
Durchführende Stelle: ISF München - Institut für Sozialwissenschaftliche Forschung e. V.
Projektteam: ISF München: Dr. Wolfgang Dunkel (Projektkoordination), Dr. Nick Kratzer, Dipl. Soz. Wolfgang Menz / TU Chemnitz: Prof. Dr. G. Günter Voß, Anna Hoffmann M. A. / Universität Augsburg: Dr. Margit Weihrich
Beteiligte Unternehmen: Accor Hotellerie Deutschland GmbH, Arbeiterwohlfahrt Bezirksverband Oberbayern e.V., Deutsche Bahn AG, Deutsche Telekom Kundenservice GmbH
Förderung: Bundesministerium für Bildung und Forschung, Mittel des Europäischen Sozialfonds
Laufzeit: 1.9.2008 – 31.8.2011; Weitere Informationen: www.isf-muenchen.de
Forschungsvorhaben: Innovationsmanagement für Lowtech-Hightech-Kooperationen – Low2High
Das Projekt analysiert den bisher weitgehend unbeachteten Aspekt des Managements von Innovationskooperationen zwischen sog. Lowtech- und Hightech-Unternehmen. Bei ersteren handelt es sich um Unternehmen, die nur einen geringen Aufwand für eigene Forschungs- und Entwicklungsaktivitäten erbringen, während Hightech-Unternehmen einen vergleichsweise hohen FuE-Aufwand betreiben. Der konkrete Analysefokus richtet sich auf die Barrieren und Hemmnisse, die Kooperationsbeziehungen zwischen Lowtech- und Hightech-Unternehmen behindern können. Davon ausgehend untersucht das Projektvorhaben, welche Ansatzpunkte zur Verbesserung und Optimierung der Kooperationsbeziehungen existieren und welcher methodische Entwicklungsbedarf besteht. Aufbauend auf den Ergebnissen der Analyse von Innovationskooperationen, sollen geeignete Tools und Methoden zur Überwindung der spezifischen Barrieren für Lowtech-Hightech-Kooperationen mit am Projekt beteiligten Unternehmen zusammen konzipiert und erprobt werden. Insbesondere stehen dabei die besonderen Anforderungen an Innovationen von Lowtech-KMU im Fokus. Dabei handelt es sich sowohl um Prozess- als auch um Produktinnovationen. Die Hightech-Unternehmen, mit denen Lowtech-Unternehmen kooperieren, können sowohl Kunden und Lieferanten verschiedenster Herkunft als auch Technologieausrüster sein.
Generell zielt das Projektvorhaben auf eine Ausweitung bekannter Ansatzpunkte, Methoden und Verfahren des Innovationsmanagements auf die besondere Innovationssituation von Lowtech-KMU in Hinblick auf ihre Kooperationsbeziehungen mit Hightech-Unternehmen. Somit beabsichtigt das Projekt, die Forschungslücke zwischen der allgemeinen Forschung über Innovationskooperationen und der Lowtech-Hightech-Debatte zu schließen und die Ergebnisse in unternehmens-praktischer sowie auch innovationspolitischer Hinsicht fruchtbar zu machen.
Neben dem Lehrstuhl Wirtschafts- und Industriesoziologie sind zwei weitere Forschungseinrichtungen, vier Unternehmen des produzierenden Gewerbes sowie drei Transferpartner an diesem Projekt beteiligt. Die Koordination des Projektes liegt beim Fraunhofer-Institut für System und Innovationsforschung, Karlsruhe (Abteilung für Industrie- und Serviceinnovationen).
Durchführende Stelle: Lehrstuhl Wirtschafts- und Industriesoziologie, TU Dortmund
Ansprechpartner: Dipl.Ök. Tobias Wienzek, Prof. Dr. Hartmut Hirsch-Kreinsen
Förderung: Bundesministerium für Bildung und Forschung, Projektträger im Deutschen Zentrum für Luft- und Raumfahrt (PT-DLR), Forschungs- und Entwicklungsprogramm "Arbeiten-Lernen-Kompetenzen entwickeln", Bekannt-machung: "Innovationsstrategien jenseits traditionellen Managements"
Laufzeit: Mai 2008 bis April 2011
Kontakt: Tobias Wienzek (tobias.wienzek(at)tu-dortmund.de)
Forschungsvorhaben: integro – Integriertes Innovations-, Wissens- und HR-Management in Unternehmen und Innovationsnetzwerken der High-Tech-Branche am Beispiel Informationstechnik und Mechatronik
Das Projekt „integro“ zielt auf eine empirische Analyse der Strukturen, Prozesse und Arbeitsbedingungen in Wertschöpfungs- und Innovationsnetzwerken von KMU der High-Tech-Branche. Exemplarisch werde zwei der siebzehn vom BMBF im Rahmen der Hightech-Strategie identifizierten Zukunftsfelder untersucht, die IT-Branche und die Mechatronik.
Hintergrund: Wissensintensive Dienstleistungen und Produkte führen zu veränderten Bedingungen der Formierung und Integration geeigneter Expertise und setzen die gängigen Innovationsstrategien und -konzepte selbst unter Veränderungsdruck. Das Modell wissenschaftsgetriebener Innovation wird durch ein Modell relativiert, in dem Akteure unterschiedlicher gesellschaftlicher Subsysteme relevante Innovationsbeiträge leisten. Die klar strukturierte und abgegrenzte Organisation der Vergangenheit wird Teil eines ökonomischen Netzes, welches den unidirektionalen Charakter traditioneller Kooperationsbeziehungen aufhebt. Der Einzug von Innovation in den Arbeitsalltag der Beschäftigten konfrontiert diese mit neuen Qualifikations- und Kompetenzanforderungen, Arbeitsformen, psychischen Belastungen, Flexibilitätszumutungen und Motivationserfordernissen. Die Auswirkungen auf die Beschäftigten sind ambivalent und bedürfen entsprechender Arbeitsgestaltung. Hierzu bedarf es genauerer Kenntnis hinsichtlich:
- der Arbeits-, Organisations- und Kooperationsstrukturen
- der Arbeits- und Belastungssituation
- der Kernprozesse der Wissensorganisation in offenen Innovationsprozessen
- der Qualifikationsanforderungen
- der den Innovationsalltag wirksam unterstützenden Methoden (einschließlich I&K-Technologien)
Im Rahmen des Projektes werden die Funktionsmechanismen elaborierter Innovationskonzepte im Hinblick auf o.g. Aspekte untersucht und Maßnahmen zur breiten Unterstützung der Innovationstätigkeit sowie zur Kompetenzentwicklung zentraler Beschäftigtengruppen erarbeitet. Ein besonderer Fokus liegt darauf, wie Innovations-, Wissens- und HR-Management sowie Kompetenzentwicklung optimal verzahnt bzw. integriert werden können, um die Innovationsfähigkeit von Unternehmen zu stärken und externes Wissen durch Kundenintegration (bspw. open innovation) für die Unternehmen nutzbar zu machen.
In der ersten Erhebungsphase erfolgt die Analyse der Innovationsstrategien, Arbeitsstrukturen und Arbeitsplatzbedingungen entlang von Wertschöpfungs- und Innovationsnetzwerken auf Basis von (explorativen) Experteninterviews und Fallstudien. Auf Grundlage verbesserter Kenntnis der Handlungsbedingungen, Arbeitsanforderungen und Kompetenzprofile verschiedener Funktionsgruppen wissensintensiver Innovationsarbeit sollen bedarfsgerechte Unterstützungsangebote (Konzepte, Trainings, Instrumente und Tools) eines integrierten, sich am „Leitbild guter Wissensarbeit“ orientierenden Innovations-, Wissens- und HR-Managements entwickelt und erprobt werden. Hierzu werden mit betrieblichen Entwicklungspartnern aus KMU Modellversuche in der IT-Branche und der Mechatronik durchgeführt.
Die Ergebnisse der Modellversuche werden in der dritten Phase für einen erweiterten Transfer aufbereitet und fließen in den Aufbau eines „integro_labs“ ein. Diese elektronische Projektplattform (www.innovationsarbeit.de) wird sukzessive mit praxisgerecht aufbereiteten Projektergebnissen angereichert und durch Präsenzveranstaltungen (wissenschaftliche Tagungen, Workshops, Businesstalks, interdisziplinäre Debatten und Lern Labs) ergänzt.
Das Projekt wird von einem interdisziplinären Team bestehend aus Sozialwissenschaft, Betriebswirtschaft, Arbeitswissenschaft und Informatik durchgeführt.
Durchführende Stelle: Sozialforschungsstelle Dortmund (sfs) TU-Dortmund
Projektteam-sfs: Dr. Ralf Kopp (Leitung), Prof. Jürgen Howaldt, Emanuel Beerheide
Projektpartner: Torsten Groth (Management Zentrum Witten GmbH), Peter Hansemann (networker westfalen e. V.), Prof. Dr. Thomas Herrmann (Ruhr-Universität Bochum – Institut für Arbeitswissenschaft IAW, Lehrstuhl Informations- und Technikmanagement IMTM), Prof. Dr. Frank T. Piller (RWTH Aachen - Lehrstuhl für Technologie- und Innovationsmanagement – TIM)
Kooperation: Unterstützt wird das Projekt u. a. von folgenden Akteuren: BITKOM (METORA), Bundesverband Digitale Wirtschaft e. V. (BVDW), Innovation Lab Germany, Networker NRW e. V., Network of Automative Excellence (NoAE)
Förderung: Das Vorhaben wird aus Mitteln des BMBF und ESF gefördert und vom Projektträger Arbeitsgestaltung und Dienstleistungen im DLR e.V. betreut.
Laufzeit: 04/08 bis 04/11
Forschungsvorhaben: Sozio-technische Entwicklungen in der Nutzung der Informations- und Kommunikationstechnologie
Übertragbarkeit von Open Innovation und Open Source auf andere Branchen
Das Projekt untersucht die Frage, ob und wie aus organisatorischer Sicht eine Übertragung der Methoden ‚Open Innovation’ und ‚Open Source’ auf Produkte und Prozesse jenseits von Software¬entwicklungen zu innovativen und erfolgversprechenden Lösungen führen. Um neue Formen der Innovationsentstehung zu erkunden, richtet sich unsere Analyse auf branchenspezifische Traditionen, soziale Charakteristika von Kooperationen und ökonomische Rahmenbedingungen von Innovationsentstehungs-prozessen. Diese Erkenntnisse fließen in eine Risikoanalyse ein, die zur Abschätzung von technischen, ökonomischen, sozialen und juristischen Risiken dieser Methoden durchgeführt wird.
Das Ziel des Projektes ist es, Voraussetzungen der Übertragbarkeit beider Methoden für Industrie und Dienstleistung zu bestimmen, um Aussagen über Bedingungen von neuen und offenen Formen der Innovationsentstehung treffen zu können. Unser besonderes Augenmerk liegt dabei auf Open Source Innovationen. Unter einer Open Source Innovation verstehen wir eine in freiwilliger Kollaboration erstellte Innovation, bei welcher ein nicht-marktlich vermittelter Übergang zwischen den an der Invention beteiligten und den an einer Verwertung interessierten Akteuren stattfindet.
Ausgehend von den Ergebnissen unserer Literaturanalyse zu Open Source Projekten prüfen wir die These, dass die gewählte Entstehungsform eines Open Source Projektes Gestaltung und Erfolg eines Innovationsprozesses entscheidend beeinflusst. Dabei unterscheiden wir zwischen den Entstehungsformen „Kollaboration zwischen Unternehmen mit begrenzter Teilnahmeberechtigung“ und „community-Projekt ohne Entscheidungsberechtigung für die Teilnehmerschaft“. Zur Prüfung dieser These wird ein Paarvergleich unter der Annahme durchgeführt, dass sich ähnliche Muster der Innovationsentstehung zwischen den Projekten A-C bzw. B-D ergeben.
Das Forschungsprojekt stützt sich auf eine Kombination qualitativer und quantitativer Erhebungsmethoden. Die Durchführung von Experteninterviews dient der Erstellung von Fallstudien und fokussiert die Sachverhalte Open Innovation/Open Source Innovation, Projektmanagement/Organisation sowie Lern- und Kompetenzbedarf. Die Durchführung der standardisierten Befragung zielt darauf, Aussagen über das Prozess- und Entscheidungsmanagement von communitiy-basierten Open-Source-Projekten zu treffen.
Durchführende Stelle: Institut für Soziologie, Schwerpunkt Wirtschaft und Betrieb, Universität Hamburg
Projektteam: Prof. Dr. Rolf v. Lüde, Dr. Doris Blutner
Kooperationspartner: Prof. Dr. Thorsten Blecker, Prof. Dr. Cornelius Herstatt, Technische Universität Hamburg-Harburg
Förderung: BMBF, Programm Innovations- und Technikanalyse: Sozio-technische Entwicklungen in der Nutzung der Informations- und Kommunikationstechnologie
Laufzeit: 01.01.2008 bis zum 31.12.2009
Kontakt: Prof. Dr. Rolf v. Lüde (Rolf.Luede(at)wiso.uni-hamburg.de)
Promotionsvorhaben: Polizistinnen und Polizisten als Gefühlsarbeiter/innen. Zum Umgang mit emotionalen Wechselwirkungen im Spannungsfeld von Familie und Erwerbsarbeit
Ziel des Promotionsvorhabens ist es, das emotionale Spannungsfeld zwischen Familie und Erwerbsarbeit im Alltag von Polizistinnen und Polizisten auszuloten. Spannungsfeld deshalb, weil die polizeiliche Arbeit sich durch eine ganz andere emotionale Logik auszeichnet als die private Lebenswelt. Aber auch im täglichen Dienstgeschehen sind Polizistinnen und Polizisten sehr oft mit Widersprüchlichkeiten konfrontiert. Einerseits werden sie oftmals zur Projektionsfläche von sehr vielfältigen Emotionen der Bürgerinnen und Bürger, mit denen sie im Dienst Tag für Tag umgehen müssen. Im Sinne eines professionellen Arbeitshandelns sind sie jedoch gefordert, Emotionen während ihrer Arbeit zu unterdrücken. Andererseits sind die Gefühle, das Erleben und das Empfinden von Polizist/innen funktional für das Erreichen des Arbeitsergebnisses. Im Umgang mit Opfern sexueller Gewalt oder zur Aufklärung von Straftaten sind Emotionen keine nebensächliche Zutat, sondern wesentliche Grundlage des Arbeitshandelns. In einer Organisation, in der Konformität und Fehlervermeidung oberstes Handlungsprinzip sind, hat allerdings die Verbalisierung und Explikation von Emotionen keinen hohen Stellenwert und dementsprechend keine Tradition. Daher geschieht die Verarbeitung von konflikthaften und/oder anforderungsreichen dienstlichen Erlebnissen meist privat. Die Organisation Polizei erzeugt Ambivalenzen, die die Polizist/innen individuell verarbeiten müssen.
Polizist/innen sind demnach mit sehr widersprüchlichen Anforderungen beim Umgang mit ihren Emotionen konfrontiert. Deren Alltag scheint durch ein ständiges Oszillieren zwischen „Emotionalität“ und „Rationalität“ geprägt zu sein. Deshalb liegt es sehr nahe, sich damit zu beschäftigen, wie Polizistinnen und Polizisten Emotionen in ihren Alltag einbinden und in welcher Art und Weise sie „Gefühlsarbeit“ leisten. Im Fokus der Untersuchung steht, wie die Polizist/innen als Gefühlsarbeiter/innen die Widersprüchlichkeiten, Spannungen und Konflikte in ihrem Alltag bewältigen.
Zwei empirische Ziele werden in Bezug auf den Untersuchungsgegenstand verfolgt:
1. Die Analyse des Zusammenspiels von „Arbeit“ und „Leben“ bei Polizist/innen: Es werden sowohl Aspekte einer gelingenden Balance von Familien- und Erwerbsleben als auch spezifische Belastungen identifiziert. Daraus lassen sich Aussagen zu den Bedingungen ableiten, die ein subjektiv zufrieden stellendes Verhältnis von Arbeit und Leben ermöglichen oder auch nicht und konkrete politische und praktische Unterstützungsbedarfe für die polizeiliche Arbeit. Zudem wird ein Beitrag zur Polizeiforschung geliefert.
2. Die Typologisierung von emotionalen Wechselwirkungen zwischen dem Erwerbs-bereich und dem Familienleben sowie deren individuelle Bearbeitung im Alltag von Polizist/innen: Dadurch können die Einbettung von Emotionen in den alltäglichen Lebenszusammenhang von Polizist/innen und die unterschiedlichen Facetten der Arbeit mit Gefühlen herausgearbeitet werden.
Darüber hinaus ist ein weiteres, eher allgemeines Ziel, die Ausprägung und Funktionsweise von Emotionen im Alltagshandeln von Menschen zu systematisieren. Dies liefert einen Beitrag zu einer Soziologie der Emotionen.
Wichtig ist jedoch, dass der Blick nicht einseitig auf die Effekte und Wirkungen der Erwerbsarbeit auf die Familie beschränkt wird, sondern beide Seiten gleichgewichtig analytisch betrachtet werden. Vor der Folie geschlechtsspezifischer Zuschreibungen, bspw. dass Frauen im Umgang mit anderen Menschen feinfühliger als Männer wären, ist zudem ein geschlechtersensibler Blick wichtig, um mögliche geschlechtsspezifische Unterschiede im Umgang mit Emotionen sichtbar zu machen.
Das Promotionsvorhaben ist als eine qualitative Studie angelegt. Als empirische Grundlage dienen leitfadenorientierte Interviews mit Polizistinnen und Polizisten aus dem Streifendienst, Ermittlungsdienst, Stabsbereich und der Kriminalpolizei. Es werden insgesamt mindestens 30 Interviews mit Polizist/innen geführt werden. Ziel ist es hier möglichst unterschiedliche Fälle in den relevanten Dimensionen Tätigkeitsbereich, Arbeitszeitmodell, Hierarchieebene und familiale Lebenssituation zu kontrastieren, weil hier Differenzen erwartet werden. Vor allem die vergleichende Analyse von Fällen bietet die Möglichkeit zur Generierung einer mehrdimensionalen Typologie. In Bezug auf die hier zu untersuchende Fragestellung ist es bspw. möglich, den Umgang der Polizist/innen mit den emotionalen Wechselwirkungen und Spannungen zwischen Familie und Erwerbsarbeit zu typisieren und unterschiedliche Praktiken von Gefühlsarbeit heraus zu arbeiten. Es kann angenommen werden, dass die Polizist/innen in ganz unterschiedlicher Weise die Emotionen in ihren Alltag einbinden. Bspw. ist zu vermuten, dass manche Polizist/innen versuchen, ihre erwerbsbezogenen Emotionen vor der Familie abzuschotten; andere tragen ihr Erleben und ihre Emotionen womöglich bewusst in die Familie hinein. Mögliche Differenzierungsachsen können hierbei das Geschlecht oder die familiale Lebensform der/des Polizist/in sein.
Durchführung: Dipl.-Soz. Peggy Szymenderski (Stipendiatin der Friedrich-Ebert-Stiftung), Technische Universität Chemnitz, Professur für Industrie- und Techniksoziologie
Kontakt: Peggy.Szymenderski@phil.tu-chemnitz.de
ISSN 1866-9549