Die Arbeits- und Industriesoziologie ist eine dezidiert empirische Wissenschaftsdisziplin: Wenn jemand eine arbeits- und industriesoziologische Studie durchführt, dann bedeutet das fast automatisch, dass er oder sie empirische Forschung betreibt. Wenig verwunderlich ist daher, dass die Arbeits- und Industriesoziologie über ein breites Methodenspektrum und ein ausgefeiltes methodisches Instrumentarium verfügt: standardisierte Repräsentativbefragungen gehören ebenso zum Repertoire der Arbeits- und Industriesoziologie, wie Betriebsfallstudien, offene Intensivinterview, Gruppendiskussionen, teilnehmende Beobachtung u.v.m. Gemessen an der zentralen Bedeutung empirischer Forschung ist dann allerdings schon etwas verwunderlicher, dass die angewandeten Methoden in den Forschungsberichten und Veröffentlichungen kaum oder nur kursorisch Erwähnung finden und insgesamt eine systematische Reflexion über Instrumente, methodische Herangehensweisen und Forschungsstrategien weitgehend fehlt. Eine solche Reflexion ist aber notwendiger denn je: Im Zuge der aktuellen Entwicklungsdynamik von Arbeit sind die Methoden und Forschungsstrategien der Arbeits- und Industriesoziologie auf ihre Tauglichkeit und Reichweite hin zu überprüfen. Dies betrifft zum einen die Frage, inwiefern die Soziologie derzeit innovative Methoden bereitstellt, um sozialen Wandel zu erfassen, zum anderen aber auch den Gegenstand von Arbeits- und Industriesoziologie, indem etwa Prozesse der Entgrenzung und Subjektivierung von Arbeit neue Erhebungs- und Auswertungsverfahren erfordern. Die dazu durchgeführten Forschungen zeigen an vielen Stellen, dass die mehrheitlich praktizierten Methoden teilweise an Grenzen stoßen: Fallstudien müssen zum Teil neu konzipiert oder einzelne Verfahren (oft erstmals) genauer reflektiert werden. Manche mit den neuen Themen entstehende Fragestellungen erfordern nicht zuletzt völlig neuartige methodische Zugriffe (etwa bei der Beobachtung) und führen zu methodischen Innovationen. Vor diesem Hintergrund wird nicht zuletzt deutlich, dass die Arbeits- und Industriesoziologie methodische Fragen neu zu stellen hat und die explizite Auseinandersetzung mit methodologischen Überlegungen auf die Agenda setzen muss. Hierbei ergibt sich nicht nur die Chance, die empirische Stärke der Teildisziplin zu untermauern, sondern auch einen Beitrag zu einer innovativen Methodenentwicklung der Soziologie insgesamt zu leisten.
Deshalb stand die Frühjahrstagung 2010 der Sektion Arbeits- und Industriesoziologie in Chemnitz (27./28.05.2010) ganz im Zeichen der, so der Titel, „Forschungsmethodischen Herausforderungen der Entwicklung von Arbeit“. Neun Referate mit im engeren Sinne arbeits- und industriesoziologischen Beiträgen wurden ergänzt durch ein Gastreferat von Irene Götz (München), die Methoden und Methodologie (arbeits-)ethnographischer Studien vorstellte.
In dieser Ausgabe der AIS-Studien sind acht der insgesamt zehn Beiträge der Frühjahrstagung versammelt. Die Beiträge zeigen nicht nur das ganze forschungsmethodologische Spektrum der Arbeits- und Industriesoziologie, sondern auch deren Anpassungs- und Innovationsfähigkeit. Den Anfang macht der Beitrag von Jessica Pflüger, Hans Pongratz und Rainer Trinczek, die über die Ergebnisse eines DFG-Projekts zu den methodologischen Herausforderungen der arbeits- und industriesoziologischen Fallstudienforschung berichten. Im Anschluss daran fragen Sarah Nies und Dieter Sauer nach dem historischen Wandel des „Betriebs“ und der daraus resultierenden Konsequenzen für die Fallstudienforschung. Im Gegensatz zu den ersten beiden Beiträgen, in denen der Betrieb die wesentliche Ebene empirischer Forschung darstellt, fokussieren Arno Georg, Christina Meyn und Gerd Peter die Arbeitsebene und stellen mit dem methodologischen Konzept der „Arbeitssituationsanalyse“ einen interdisziplinären Forschungsansatz vor. Nach diesen drei eher konzeptionellen Artikeln, werden in den weiteren Artikeln konkrete empirische Vorgehen beschrieben: Janis Diekmann, Brigitte Petendra, Stefan Sauer, Christian Schilcher und Marc Ziegler stellen dar, wie sie „Vertrauen in unternehmensübergreifenden Kooperationsbeziehungen“ untersuchen. Frank Bauer, Philipp Fuchs, Manuel Franzmann und Matthias Jung stellen eine Implementationsstudie zur Umsetzung der unbefristet geförderten Beschäftigung nach § 16e SGB II vor, in der verschiedene Heuristiken und Methoden in einem gestuften Untersuchungskonzept integriert werden. Im Beitrag von Andreas Hirseland, Natalie Grimm und Tobias Ritter wird eine subjektorientierte, qualitative Paneluntersuchung von Langzeitarbeitslosen vorgestellt. Martin Wetzel präsentiert Vorgehen und Ergebnisse einer quantitativen Mehrebenenanalyse der „Subjektivierung von Arbeit“. Abschließend gibt Irene Götz einen Einblick in die Methodik (arbeits)ethnographischer Untersuchungen: Ihr besonderes Augenmerk liegt dabei bei Beobachtungen und ihrer Textualisierung als wesentliche Methoden einer „Ethnographie der Nähe“.
Die HerausgeberInnen wünschen eine anregende Lektüre. Rückmeldungen, Anmerkungen und Anregungen sind wie immer herzlich willkommen.
Die Herausgeber/Innen
Forschungsprojekt: AEGIS – Advancing Knowledge-Intensive Entrepreneurship and Innovation for Economic Growth and Social Well-being in Europe
Seit dem 1. Januar 2009 ist der Lehrstuhl Wirtschafts- und Industriesoziologie der TU Dortmund an dem Forschungsprojekt „Advancing Knowledge-Intensive Entrepreneurship and Innovation for Economic Growth and Social Well-being in Europe” (AEGIS) beteiligt. Das internationale Verbundprojekt wird im siebten Forschungsrahmenprogramm der EU gefördert und hat eine Laufzeit von drei Jahren. Insgesamt sind 21 sozial- und wirtschaftswissenschaftliche Partner aus Europa, China, Indien und Russland beteiligt.
Das AEGIS Projekt analysiert die Beziehungen zwischen Wissen, Wirtschaftswachstum und sozialem Wohlstand in Europa. Im Fokus der Betrachtung steht Knowledge-intensive Entrepreneurship (KIE), das hierbei als notwendiger Transformationsmechanismus bzw. Schnittstelle zwischen dem System der Wissensgenerierung und dem Wirtschaftssystem verstanden wird. Ausgegangen wird davon, dass beide Systeme von einem breiten sozialen Kontext geformt werden, den sie gleichzeitig beeinflussen.
Das Projekt verfolgt 3 Hauptziele:
Der Lehrstuhl Wirtschafts- und Industriesoziologie geht als Koordinator des Arbeitspakets Low-tech Sectors empirisch und konzeptionell der Frage nach, was Knowledge-Intensive Entrepreneurship unter den sich wandelnden Strukturbedingungen traditioneller Industriesektoren bedeuten kann. Insbesondere geht es darum, inwieweit neues Wissen und neue Technologien zur Standortsicherung und Innovationsfähigkeit von Unternehmen aus Lowtech-Sektoren beitragen können, die im Allgemeinen eher geringe Mittel für FuE aufwenden.
Durchführende Stelle: Technische Universität Dortmund, Lehrstuhl für Wirtschafts- und Industriesoziologie und weitere Partner
Projektteam: Prof. Dr. Hartmut Hirsch-Kreinsen, Isabel Schwinge M.A.
Projektleitung: PLANET S.A., Athen (Koordinator)
Förderung: 7. RP der EU
Laufzeit: 2009 - 2011
Kontakt: isabel.schwinge@tu-dortmund.de
Forschungsprojekt: Re-Flexibilisierung des Rentenübergangs – Neue Möglichkeiten der Gestaltung des Übergangs vom Erwerbs-leben in die Rente
Das Projekt erforscht Bedingungen und Hindernisse für die Nutzung von Instrumenten des vorzeitigen Ausscheidens aus dem Erwerbsleben und des gleitenden Übergangs in den Ruhestand. Ziel ist es, konkrete Umsetzungsmodelle insbesondere auf tariflicher und betrieblicher Ebene zu entwickeln, die möglichst vielen Beschäftigtengruppen auch in Zukunft einen flexiblen Rentenübergang ermöglichen.
Hintergrund: Die Erhöhung des Renteneintrittsalters gehört nicht erst seit der Anhebung der Regelaltersgrenze auf 67 Jahre zu den zentralen Zielen deutscher Rentenpolitik. Bereits mit Beginn der 1990er Jahre wurden die Altersgrenzen für den vorgezogenen Bezug einer Altersrente sukzessive angehoben und Möglichkeiten eines flexiblen Rentenübergangs immer weiter eingeschränkt. Auf der anderen Seite ist die Lage Älterer auf dem Arbeitsmarkt noch immer von hohen Erwerbslosen-quoten, Altersdiskriminierung und dem weitgehenden Fehlen von alterns- und altersgerechten Arbeitsbedingungen gekennzeichnet. Aktuelle Arbeitsmarkt-projektionen weisen darauf hin, dass sich an dieser Situation trotz des demographischen Wandels und der langfristigen Abnahme des Erwerbspersonen-potenzials bis hin ins Jahr 2050 kaum etwas ändern wird. Drohende Folgen sind eine anhaltende Alterserwerbslosigkeit, die Zunahme prekärer Rentenübergänge, niedrigere Renten und eine verstärkte Altersarmut.
Fragestellung: Im Zentrum des Forschungsprojektes steht die Frage, wie auch in Zukunft ein vorzeitiges Ausscheiden aus dem Erwerbsleben und ein gleitender Übergang in den Ruhestand ermöglicht werden können. Entsprechende Lösungswege werden dabei vor allem auf tariflicher und betrieblicher Ebene gesucht. Dazu werden Akteure auf Beschäftigten- wie Unternehmerseite 1. nach ihren Erfahrungen mit Instrumenten eines flexiblen Rentenübergangs, 2. nach weiteren Flexibilisierungsbedarfen, 3. nach ihrer Einschätzung neuer Instrumente und 4. nach möglichen Hindernissen zu deren Umsetzung bzw. Nutzung gefragt. Das Forschungsprojekt verfolgt dabei im Kern eine doppelte Zielsetzung: Zum einen sollen Bedingungen und Hindernisse für die Nutzung flexibler Renten-übergangsmöglichkeiten auf Beschäftigten- wie Unternehmerseite identifiziert werden. Zum anderen sollen darauf aufbauend konkrete Umsetzungsmodelle für verschiedene Gruppen von Lohnabhängigen und Betrieben entwickelt werden.
Untersuchungsmethoden: Die Untersuchung ist empirisch-explorativ angelegt. Dabei kommt eine Triangulation qualitativer und quantitativer Methoden zum Einsatz: 1. eine sekundäranalytische Aufbereitung der verfügbaren Daten zur Entwicklung des Rentenübergangsgeschehens seit Beginn der 1990er Jahre, 2. eine qualitativ-hermeneutische Dokumentenanalyse der Positionen von Gewerkschaften und Unternehmensverbänden zum flexiblen Rentenübergang, 3. überbetriebliche Expertengespräche in Form offener Leitfrageninterviews mit VertreterInnen von Beschäftigten und Unternehmen, 4. vertiefende Betriebsfallstudien, in deren Mittelpunkt fokussierte Interviews mit UnternehmensvertreterInnen, BetriebsrätInnen und Beschäftigten stehen sowie 5. eine flankierende Sekundäranalyse quantitativer branchen- und betriebsbezogener Daten.
Durchführende Stelle: Universität Duisburg-Essen, FB Bildungswissenschaften, Institut für Soziale Arbeit und Sozialpolitik
Projektteam: Prof. Dr. Ute Klammer, M.A. Thilo Fehmel, Dipl.-Pol. Norbert Fröhler
Förderung: Hans-Böckler-Stiftung
Laufzeit: 12/2008 bis 11/2010
Kontakt: norbert.froehler@uni-duisburg-essen.de
Forschungsprojekt: "Rückenwind für die Betriebsräte?" Eine Analyse betrieblicher Modernisierungskampagnen in der Metall- und Elektroindustrie
Das Projekt analysiert betriebliche Modernisierungskampagnen in der Metall- und Elektroindustrie. Im Zentrum der Untersuchung steht die Kampagne "Besser statt Billiger", die im Bezirk NRW der IG Metall entwickelt und umgesetzt wurde. Ziel der Kampagne ist die Stärkung der Betriebsräte als Promotoren der Innovation in Aushandlungen mit dem Management um betriebliche Modernisierung. Betriebsräte sollen auf kompetente Weise langfristige Modernisierungs- und Konkurrenzstrategien entwickeln und vertreten können und damit Alternativen zu Strategien der kurzfristigen Renditesteigerung eröffnen.
Im Forschungsprojekt werden zwei Frageschwerpunkte untersucht. Der erste Frageschwerpunkt widmet sich der Rekonstruktion der Kampagne und des Kampagnenverlaufs. In diesem Zusammenhang soll den Fragen nachgegangen werden, welche Instrumente zur Stärkung der Handlungsfähigkeit der Betriebsräte entwickelt wurden, ob und in welcher Weise diese Instrumente von Betriebsräten genutzt werden, welche Themen im Einzelnen Gegenstand der Kampagne geworden sind und welche Verbreitung die Kampagne bei den Betriebsräten gefunden hat. Dabei ist zudem danach zu fragen, welche Betriebsräte zur Zielgruppe der Kampagne gehören und welche Entwicklungs- und Verbesserungsmöglichkeiten in den Augen der Träger der Mitbestimmung bestehen.
Der zweite Frageschwerpunkt dreht sich um den Wandel der Mitbestimmung der Betriebsräte als Promotoren der Innovation. Die Promotorenrolle stellt neue Anforderungen und Erwartungen an die Betriebsräte in ihren Austauschbeziehungen mit dem Management, der Belegschaft und der Gewerkschaft. In diesem Zusammenhang ist zu untersuchen, ob sich die Durchsetzungsfähigkeit der Betriebsräte gegenüber dem Management verbessert und sie tatsächlich Einfluss auf die strategische Ausrichtung der Unternehmen nehmen können, ob die Betriebsräte die Beschäftigten in ihre Politik einbeziehen und sie an der Entwicklung dieser Politik beteiligen und ob die Betriebsräte die gewerkschaftlichen Handlungsangebote annehmen. Das Projekt soll aufzeigen, wie weit mit den neuen Rollenerwartungen tatsächlich ein Rollenwandel der Betriebsräte verbunden ist und wo Probleme und Entwicklungsmöglichkeiten der Promotorenrolle liegen.
Das Projekt stützt sich methodisch auf mehrere Pfeiler. Der wichtigste dieser Pfeiler sind betriebliche Fallstudien. Insgesamt sollen 16 Fälle unterschiedlicher Einzelbranchen und Ausgangsbedingungen untersucht werden, davon 6 in Form von Intensivfallstudien und 10 in Form von Kurzfallstudien. Die Kombination aus Intensiv- und Kurzfallstudien soll die Tiefenanalyse der Kampagne und des Rollenwandels der Betriebsräte mit einer Breitenanalyse unterschiedlicher Falltypen der Umsetzung und der Mitbestimmungspraxis verbinden. Zusätzlich zu den Fallstudien werden Experteninterviews mit den Protagonisten der Kampagne bei der Bezirksleitung der IG Metall sowie mit einem Vertreter des Arbeitgeberverbandes Metall NRW durchgeführt. Sie werden ergänzt durch Experteninterviews mit Branchenbezug, in denen Fragen der branchenmäßigen Koordinierung der Kampagne diskutiert werden sollen. Schließlich wird eine standardisierte Befragung der Verwaltungsstellen im Bezirk NRW der IG Metall durchgeführt, um Aussagen zur Verbreitung der Kampagne treffen zu können. Die Projektergebnisse werden im Rahmen betrieblicher und überbetrieblicher Workshops rückgekoppelt.
Durchführende Stelle: Institut Arbeit und Qualifikation, Universität Duisburg-Essen
Projektteam: Dr. Thomas Haipeter, Dr. Steffen Lehndorff, Antonio Brettschneider, Tabea Bromberg
Laufzeit: 01.10.2008 – 31.12.2010
Förderung: Hans Böckler Stiftung
Weitere Infos: www.iaq.uni-due.de
Forschungsprojekt: SInn – Smarte Innovation. Produktlebens-zyklus- und wertschöpfungsnetzübergreifende Innovations-strategien
Wie stellen sich Betriebe in Anbetracht von aktuellen – aber auch kommenden – Herausforderungen durch den Weltmarkt weiterhin innovationsfähig auf? Wie können die kontinuierlichen Anforderungen innovativ zu sein, bewältigt werden und gleichzeitig gesellschaftliche Entwicklungen ebenso wie Fragen der Kompetenzentwicklung und der Mitarbeiterbeteiligung integriert werden?
Um diesen Fragestellungen nachzugehen und zu untersuchen, wie Innovation noch smarter werden kann, wurde das Forschungsprojekt „SInn – Smarte Innovation“ initiiert. Denn Innovationsprozesse selbst werden mehr und mehr zum Gegenstand von Innovation. Innovation muss immer wieder neu erfunden werden und wird auch zukünftig mehr als bisher zu einer permanenten Herausforderung für Unternehmen. Mit der Methode des Gegenstromprinzips betrachtet SInn Innovation als integralen Bestandteil jedes Prozessschrittes innerhalb des Produktlebenszyklus über die gesamte Wertschöpfungskette hinweg. Grundsätzlich ist die Daueraufgabe Innovation zwar schon lange kein Thema mehr, das alleine im Bereich Forschung und Entwicklung (FuE) anzusiedeln ist. Jede Abteilung, jede Station im Produktlebenszyklus hat ihren Anteil am Innovationsprozess – oder besser: sie könnte einen haben. Denn immer noch ist eine gar nicht so neue Frage letztlich unbeantwortet: Wie kommt innovationsrelevantes Wissen, wie kommen Innovationsimpulse aus den einzelnen Stationen des Produktlebenszyklus zeitnah und nachhaltig zurück in den FuE-Bereich?
Um Innovationstreiber und -hemmnisse entlang des Produktlebenszyklus zu identifizieren, wurde für SInn ein neues, ganzheitliches, Forschungsdesign entwickelt: PIA, die Produktlebenszyklusorientierte Innovationsverlaufsanalyse. Diese Analysemethode kombiniert Methoden der Sozialwissenschaft mit Elementen der Moderations- und Planspielvisualisierung sowie der agilen IT-Entwicklung. Auf die Weise verfolgen wir konkrete zukunftsweisende Produkte entlang ihres gesamten Produktlebenszyklus. An jeder Station, die das Produkt tatsächlich im Innovations- und Arbeitsprozess durchläuft, werden die jeweils beteiligten Personen einbezogen. Deren ganz konkrete Erfahrungen und Erlebnisse in der Arbeit mit diesen Produkten stehen dabei im Mittelpunkt. Die dann folgende SInn-Analyse umfasst fünf Dimensionen:
Systeme Organisation und Netzwerke, Produktions- und Entwicklungssysteme
Menschen Alle – potenziellen – Innovationsakteure im gesamten Produktlebenszyklus
Antizipation - Neue Märkte, neue Produkte, zukünftige, gesellschaftliche Herausforderungen
Ressourcen Ressourcenschonung bei Produktentwicklung, -einsatz und Herstellung, aber auch der nachhaltige Einsatz der Ressource Mensch
Technologie Produkt- und Prozesstechnologien, neue branchenfremde Technikansätze, IT-Tools
Die SMART-Analyse gibt also einerseits darüber Aufschluss, wie Entwicklungsingenieure, Produktionsmitarbeiter und Servicetechniker in Maschinenbauunternehmen tagtäglich Innovation erleben und gestalten. Andererseits greifen unsere Ergebnisse die Frage auf, wie Innovation trotz verstärktem Kostendruck und in globaler Konkurrenz gelingen kann. Mit unserem Blick auf Technologien stellen wir dar, wo Methoden des Innovations- und Projektmanagements den kreativen Prozess unterstützten und wo sie hemmend wirken.
Durchführende Stelle: ISF München e.V.
Projektteam: Dr. Sabine Pfeiffer (Projektkoordination), Dr. Klaus Schmierl, Dipl.-Soz. Petra Schütt, Dr. Stefanie Weimer, Dipl.-Soz. Daniela Wühr
Förderung: Dieses Vorhaben wird aus Mitteln des Bundesministeriums für Bildung und Forschung und aus dem Europäischen Sozialfonds der Europäischen Union gefördert. Betreut wird das Projekt vom Projektträger im DLR Arbeitsgestaltung und Dienstleistungen
Laufzeit: 01.06.2008 bis 31.05.2011
Kooperationspartner:
Kontakt: sabine.pfeiffer@isf-muenchen.de; www.smarte-innovation.de
Promotionsvorhaben: Zur Bedeutung des Habitus für die Rekrutierung journalistischer Positionseliten
Das Dissertationsprojekt befasst sich mit der Bedeutung des Habitus – der “inkorporierten Klasse“ (Bourdieu 1982, S. 686) – für berufliche Erfolge im journalistischen Feld. Die Autorin möchte in Erfahrung bringen, welche subtilen Selektionsmechanismen neben den offiziell-formalen Auswahlkriterien – wie beispielsweise Schulabschluss oder Volontariat – wirksam sind. Dabei soll besonders die Möglichkeit für Angehörige unterschiedlicher Milieus, in die Riege der journalistischen Positionselite aufzusteigen, in den Blick genommen werden.
Die Verfasserin geht davon aus, dass es im journalistischen Feld – ähnlich wie beispielsweise in Bereichen von Privatwirtschaft, Justiz oder Politik (vgl. Hartmann 2002) – einen spezifischen Habitus-Code gibt, der für eine homogene Personalrekrutierung aus einem bestimmten sozialen Milieu und auf der anderen Seite für den Ausschluss bzw. Selbstausschluss anderer Milieus sorgt. Je nach sozialer Herkunftsschicht kann der Habitus demnach Grenzen oder Möglichkeiten bei Berufswahl und Berufserfolg bestimmen.
Forschungsrelevanz
Die Relevanz der Studie begründet sich in der Rolle der Medien als „vierte Gewalt“ in einem Staat mit demokratischer Verfassung. Journalisten haben nach ihrer Berufsethik eine „Verantwortung gegenüber der Öffentlichkeit“ (Deutscher Presserat 2006, Pressekodex, Präambel) – diese Öffentlichkeit setzt sich aus machtvollen und weniger machtvollen Teilöffentlichkeiten zusammen, die milieuspezifisch unterschiedliche Bedürfnisse und Rezeptionsstrategien haben. Die Demokratie weißt den Medien mehrere Funktionen zu – unter anderem, neben der Informationsfunktion, auch eine Kritik-, Kontroll- und Meinungsbildungsfunktion.
Laut der zuletzt 2006 in einer Ergebnisschau zusammengeführten Langzeitstudie ‚jourid’ von Weischenberg/Malik/Scholl rekrutieren sich Journalisten überwiegend aus der gesellschaftlichen Mitte – darüber hinaus verbringen sie auch im Privatleben ihre Freizeit meist mit Berufskollegen, die demselben Milieu entstammen. Die Folge dieser Homogenisierung könnte eine selektive Wahrnehmung von Ereignissen sein – pluralistische Meinungsbildungsangebote werden durch die Barriere der kollektiven Wahrnehmungs- und Wertungsstruktur nicht mehr unterbreitet. Medienmacher produzierten in diesem Falle ihre eigene milieuspezifische Wirklichkeit. Nutzung und Verständnis der medialen Angebote würde Rezipienten vorbehalten bleiben, die Habitusverwandtschaften mit den Verfassern aufweisen, d.h. der so genannten Mittelschicht entstammen.
Die Gefahr dieses Habituszirkels liegt in der Exklusivität der Informationsmöglichkeiten, die dem demokratischen Medienauftrag zuwiderläuft.
Untersuchungsmethode:
Mit dem Dissertationsprojekt soll erforscht werden, in welchen sozialen Prozessen sich Selektion konkret vollzieht. Daher wird besonders auf das Bewerbungsgespräch eingegangen.
Die Arbeit fokussiert journalistische Positionseliten (Chefredakteure, Redaktionsleiter). Die Gründe dafür liegen zum einen in der thematischen Definitionsmacht der Entscheider, als auch in ihrem direkten Einfluss auf die Einstellungspolitik des Unternehmens in Bezug auf journalistischen Nachwuchs.
Insgesamt werden drei Gruppen befragt:
1) Redaktionsleiter,
2) Leiter von Journalistenschulen und
3) Schüler von Journalistenschulen.
Die Arbeit ist überwiegend als explorativ-qualitative Studie angelegt. Sie setzt auf einen Methoden-Mix aus standardisierter schriftlicher Befragung, fokussierten Face-to-face-Interviews und Gedächtnisprotokollen.
Das Dissertationsprojekt wird seit Oktober 2008 an der GRASS Münster durchgeführt. Die empirische Erhebung wird spätestens im Juni 2009 abgeschlossen sein. Bisher wurden 15 Interviews geführt.
Durchführung: Klarissa Kunze, M.A.; Graduate School of Sociology Münster;
Gutachter: Prof. Dr. Matthias Grundmann, PD Dr. Armin Scholl
Kontakt: k.kunze@uni-muenster.de
ISSN 1866-9549