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Dezember

Editorial: Hajo Holst

Arbeits- und Industriesoziologische Studien

Sandra Kawalec, Wolfgang Menz

Die Verflüssigung von Arbeit. Crowdsourcing als unternehmerische Reorgani- sationsstrategie – das Beispiel IBM

Das Unternehmen IBM entwarf kürzlich die Zukunftsvision einer radikalen Crowd-sourcing-Strategie, die den Verzicht auf die Mehrheit der festen Beschäftigungsver-hältnisse im eigenen Unternehmen beinhaltet. An ihre Stelle soll die lose Integrati-on einer weltweit verteilten „Crowd“ von Freelancern treten, die um die nachträgli-che Anerkennung und Vergütung bereits erbrachter Arbeitsleistungen konkurrie-ren. Auf Basis einer explorativen Studie skizzieren wir in Form einer „prospektiven Folgenabschätzung“ drei mögliche Entwicklungsszenarien. Während die ersten beiden Szenarien die Beharrungskräfte und Widerstände in den Mittelpunkt rücken, interpretiert das dritte Szenario einer „radialen Liquidisierung“ den Reorganisations-prozess als eine qualitativ neue Form der Steuerung von Arbeitsleistungen mit po-tenziell gravierenden Folgen für die Arbeitsinhalte, die räumliche Organisation von Arbeit und die globale Arbeitsteilung sowie für die Beschäftigungsverhältnisse und Interessenorientierungen.
The Liquefaction of Labour. Crowdsourcing as an entrepreneurial strategy of reorganization – as seen in the case of IBM’s recent strategy

IBM recently developed a radical strategy called Crowdsourcing that is promoted by the company itself as the organization model of the future. According to this strategy, most of the work within IBM will not be done by permanent employees anymore but by freelancers in a global crowd. These tasks are put out to tender for an anony-mous workforce on special internet platforms. The members of the global crowd submit their complete results, of which, afterwards only, the best one is paid. In this way, the company links workforce loosely to its organization by putting them in a global state of competition. Based on an explorative study we are giving an outline of three possible development scenarios in form of a “prospective impact evalua-tion.” While the first two scenarios are focusing on persistence and resistance, the third one, called “radical liquefaction”, is interpreting this process of reorganization as a qualitatively new form of control of work performance with enormous conse-quences for work contents, the spatial organization of labour, the global division of labour, as well as for employment relationships and the orientation of interests.

Peter Ittermann, Jörg Abel, Hartmut Hirsch-Kreinsen

Mitbestimmung bei Einfacharbeit – eine Grauzone betrieblicher Interessenregulierung in der Industrie

Die Trendbestimmungen zur Zukunft der Erwerbsarbeit in Deutschland richten sich auf die Perspektiven qualifikationsintensiver Arbeitsprozesse und auf die Bewälti-gung des Fachkräftemangels in der Wissensgesellschaft. Auch die Mitbestim-mungsforschung stellt Facharbeit und Hochqualifizierte ins Zentrum ihrer Untersu-chungen. Geringqualifizierte Arbeiten, also Tätigkeiten, die schnell erlernbar sind und keine berufsfachlichen Qualifikationen der Beschäftigten voraussetzen, finden nur wenig Platz. In kritischer Auseinandersetzung mit diesen Sichtweisen zeigt der Beitrag, dass diese Einfacharbeiten bei aller Verlagerungs- und Substitutionsdyna-mik ein wichtiger Faktor in der Industrieproduktion bleiben. Für Gewerkschaften und Betriebsräte ist das Thema Einfacharbeit ein schwieriges Terrain, das zahlreiche Spannungsfelder hinsichtlich Beschäftigungsformen, Arbeitsbedingungen und Qualifizierungsbedarfe umfasst.
Co-determination at low-skilled work – a gray area of industrial interest regulation

Germany is normally regarded as a country with a prevailing high-skilled work-force. This perspective characterizes also most of the recent works on industrial relations. The paper critically reconsiders this mainstream perspective and discusses the si-tuation as well as the development perspectives of low-skilled industrial work in ad-vanced societies. The argument is, that in specific industrial sectors and areas low-skilled industrial work shows a remarkable stability. Unions and works councils are challenged to find a balance between safeguarding low skilled jobs and improving working conditions.

Hajo Holst, Ingo Singe

Ungleiche Parallelwelten – Zur Organisation von Arbeit in der Paketzustellung

Der Beitrag untersucht die Arbeit der Paketzusteller. Ein feldanalytischer Zugriff auf die Regulierung der Arbeit offenbart, dass von der einen Paketzustellung keine Re-de sein kann. Vielmehr ist das Feld in drei Welten untergliedert, in denen die Institu-tionen der Arbeitsregulierung unterschiedliche Rollen spielen: die Welt der global operierenden Logistikkonzerne, die Welt der kleinbetrieblichen Subunternehmen und die Welt der selbstfahrenden Kleinstunternehmer. Die Segmentierung des Fel-des ist eine direkte Folge des umfangreichen und primär kostengetriebenen Out-sourcings der großen Logistikkonzerne. Zugleich wird die von erheblichen sozialen Ungleichheiten begleitete organisationale Segmentierung von kulturellen Differen-zen befestigt. In den beiden Welten der Subunternehmen und der Selbstfahrer brei-ten sich Ansätze einer Kultur der Patronage aus: Angesichts der aus der Unsicher-heit ihrer Positionen resultierenden Unmöglichkeit einer rationalen Zukunftsvo-rausschau versuchen die Akteure, durch die Unterwerfung unter die Macht der Lo-gistikkonzerne doch eine gewisse Kontrolle über ihre eigene Zukunft zu gewinnen – und tragen dabei ironischerweise zur Reproduktion genau jener Machtasymmet-rien bei, die für die Unsicherheit der eigenen Positionen verantwortlich sind.
Parallel Worlds- The Diverging Organization Of Work In The Parcel Delivery Industry

Based on primary interview data, the contribution analyzes the work of couriers in the German parcel delivery industry. In applying a field analysis, it is shown that the parcel delivery industry is far from a homogenous field. Instead it is divided into three relatively closed and highly unequal worlds, each dominated by a distinct economic rationality and characterized by a certain institutional logic: the world of global logistic corporations, the world of small subcontractors and the world of self-employed couriers. Segmentation of the field is primarily driven by large corporati-on’s voluminous and cost-driven outsourcing. It is, however, reinforced by the parti-cular economic rationality characterizing the worlds of subcontractors and self-employed. These rather powerless actors are incapable of developing a rational-calculative approach to the future. In order to gain some control over their own future they tend to submit to the power of the big corporations. A culture of patronage is proliferating in these worlds which is positively associated with the increase of ine-quality.

Mitteilung

Forschungsvorhaben: Zwischen Moral und Effizienz

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Forschungsvorhaben: Kollaborative Innovationen

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Forschungsvorhaben: Arbeit 2.0.

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Forschungsvorhaben: produktionsbezogene Nachhaltigkeitskompetenz

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Promotionsvorhaben: Junge IngenieurInnen zwischen Privilegien und Verunsicherung

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Promotionsvorhaben: Streiken für Griechenland?

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Promotionsvorhaben: Individuelle Einstellungen zu arbeitslosen Menschen

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Promotionsvorhaben: Wechselbeziehungen zwischen staatlicher Sozial- und Arbeits- marktpolitik und Tarifpolitik in der BRD

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Tagungsbericht: Es geht nicht nur um ‚öffentlich’ versus ‘privat’

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Tagungsbericht: „Arbeitsbeziehungen in Europa“

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Tagungsbericht: „Streik!?“