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November

Editorial: Karina Becker, Nick Kratzer

Friedericke Hardering, Sarah Lenz

In den letzten Jahren lässt sich ein zunehmendes Nachdenken über Nachhaltigkeit beobachten. Wenngleich Nachhaltigkeit zu einem allgegenwärtigen Leitbegriff gesellschaftlichen und wirtschaftlichen Wandels avanciert, werden Themen der nachhaltigen Entwicklung von Arbeit trotz dieser Dynamiken kaum thematisiert. Es bleibt bisweilen offen, welche Relevanz die Idee von Nachhaltigkeit für die Beschäftigten hat, was sie unter Nachhaltigkeit verstehen und inwieweit sich Ansprüche an Nachhaltigkeit in der Arbeit identifizieren lassen. Vor diesem Hintergrund widmet sich dieser Beitrag der Bedeutung der Nachhaltigkeitsidee in subjektiven Konzepten von guter und sinnvoller Arbeit. Auf der Basis von teilstrukturierten narrativen Interviews werden Phasen der beruflichen Umorientierung als moments critiques analysiert, da diese in verdichteter Form Aufschluss über die zugrunde liegenden Motive, Vorstellungen und Wünsche an eine gute Arbeit geben. Die Analyse zeigt, dass sich Nachhaltigkeitsvorstellungen in drei Dimensionen rekonstruieren lassen: der Arbeitskraft, der Profession und des sozialen wie ökologischen Umweltbezuges. Da Nachhaltigkeit in Verbindung mit anderen Ansprüchen eingefordert wird, lässt sich von einem flankierenden Anspruch sprechen.
How much sustainability does good work need? Work demands in occupational changes

In recent years, there was a growing interest in sustainability. Although sustainability rises to a leading concept in thinking about social and economic change, sustainable development of work is rarely discussed. How employees understand sustainability in the context of work and if they have any demands on sustainability of work remain open questions. Against this backdrop, this contribution focuses on the relevance of sustainability in subjective concepts of good and meaningful work. Based on semi-structured narrative interviews, we analyze changes of jobs as moments critiques that give insights on motives, visions and demands of good work. Our findings show three dimensions which are linked to sustainability: labor, professions and relations to social and ecological aims. Besides, demands for sustainability always appear in connection with other demands for good work.

Guido Becke, Günter Warsewa

Im Verlauf der vergangenen Dekaden haben sich die sozio-ökonomischen wie auch die normativen und regulativen Grundlagen der Governance der Erwerbsarbeit in einer Weise verändert, die für das Handeln des einzelnen Menschen als Arbeitskraft und tätiges Subjekt neue Voraussetzungen schafft: Erwerbstätige gewinnen als unmittelbare individuelle Akteure in der Governance von Arbeit an Bedeutung. Die damit einhergehenden Prozesse der Flexibilisierung, Subjektivierung und Entgrenzung von Arbeit werden in den einschlägigen Debatten häufig und mit guten Gründen kritisch interpretiert, z. B. als erweiterte Landnahme oder Kolonialisierung von Subjektivität. Im Unterschied dazu wird in diesem Beitrag der Frage nachgegangen, ob und inwiefern sich hierdurch auch neue Chancen für eine nachhaltige(re) und sozialverträgliche(re) Gestaltung von Arbeit eröffnen. Insbesondere für hoch qualifizierte Beschäftigte als Individuen wie als ,neue‘ kollektive Akteure eröffnen sich hierbei Macht- und Möglichkeitsräume, ihre erweiterte Subjektperspektive zur Geltung zu bringen – mit womöglich durchaus ambivalenten Wirkungen auf Strukturen der Governance von Erwerbsarbeit und für betriebliche Arbeitsbeziehungen.
The Extended Perspective of Subjectivity – New Demands regarding Work and Sustainability

Since the 1980s, governance structures of work and employment and their regulative and normative foundations have changed significantly. Due to reforms of the welfare state and the emergence of new production concepts, employees gained in significance as individual actors. The flexibilisation, disentanglement and subjectivisation of work confronted individual employees with enhanced psycho-social stress at work, new management strategies capitalising on their subjectivity for economic goals and taking more individual responsibility for their career and course of life. However, in this contribution options for a more sustainable design of work are explored that are closely linked with employees as individual actors. New production concepts are increasingly vulnerable to highly skilled individual employees in their self-regulation of work. This dependence can open up new options for highly skilled employees to claim socially accepted demands on sustainability in work organisations – however, with ambivalent side effects as the fragmentation of interests within workforces.

Sarah Hinz, Anne Göttert

Der ostdeutsche Arbeitsmarkt war nach der Wiedervereinigung lange geprägt von einem Überhang qualifizierter Erwerbspersonen und hoher Arbeitslosigkeit. Die Folgen der Transformation legten die Basis für einen fortgesetzten „Raubbau“ an der Ressource Arbeitskraft. Inzwischen spitzt sich die demografische Entwicklung insbesondere in den neuen Bundesländern zu. Mit seinen antizipierten Verwerfungen auf dem Arbeitsmarkt sowie für die Finanzierung der Renten- und Sozialversicherungskassen ist der demografische Wandel seit Jahren ein politischer und medialer Dauerbrenner in der Frage, wie den negativen Folgen beizukommen sei. Dabei geht es hauptsächlich um die quantitative Steigerung des Erwerbspersonenpotenzials, die entstehende Fachkräfteengpässe abfedern soll. In den Hintergrund gerät dabei das Gelegenheitsfenster, das der demografische Wandel eröffnet, um Arbeit als Ressource nachhaltiger zu gestalten. Mit einer regional differenzierten Analyse, wie wir sie beispielhaft für Thüringen vornehmen, zeigen wir gleichermaßen auf, welche Hemmnisse einem progressiven Umgang mit dem demografischen Wandel in der betrieblichen Arena im Weg stehen.
The end of ruthless exploitation? Demographic Change as an opportunity for sustainable labour policies in Eastern Germany

After German reunification, the labour market in Eastern Germany was characterised by an oversupply of qualified workers and a high rate of unemployment. Given their weak labour market position, many East German workers readily accepted long and flexible hours, low wages and hazardous working conditions. However, demographic developments in the East have contributed to the establishment of new labour market asymmetries, labour has become scarce in some regions and professions. Demographic change has been featured prominently in the media and in political debates, but discussions have mainly focused on its labour market effects and its impact on pensions and social insurance systems. Discussions centred on identifying additional or underused sources of labour in order to counter the emerging shortages of qualified workers. Hardly any attention has been paid to a more qualitative approach that promotes sustainable labour policies and decent work as a means to deal with current shortages. By applying a differentiated regional analysis of Eastern Thuringia, we disclose potential barriers prevailing in regional companies that constrain a progressive approach towards dealing with demographic change.

Sebastian Brandl, Ingo Matuschek

Die Alterung der (Erwerbs-)Bevölkerung und die sich abzeichnenden Fachkräfteengpässe führen zu einer Entfaltung von Aktivitäten nachhaltiger Personalpolitik in Betrieben und Verwaltungen. Diese richten sich auf den Erhalt der Employability der Beschäftigten und greifen Aspekte nachhaltiger Arbeit auf. Zu beobachten ist, dass damit nicht nur ein erweiterter betrieblicher Zugriff auf das individuelle Leistungsvermögen erfolgt, sondern umfassend auf das Verhalten von Beschäftigten gezielt wird. Das gesamte Lebensarrangement und die individualökologische Selbstbestimmung der älter werdenden Beschäftigten geraten in den Fokus der Betriebe. Im Sinne einer ideologisierten Subjektivierung lässt sich der (gezwungenermaßen) mitgetragene Übergang von der Selbstsorge zur Selbstoptimierung als Vernutzung von Lebenskraft verstehen, mit der im Kern auf die optimierte Ware Arbeitskraft gezielt wird und Entsolidarisierungsprozesse in den Betrieben initiiert werden. Fraglich bleibt, inwiefern es Beschäftigten(-vertretungen) demgegenüber gelingt, Elemente nachhaltiger Arbeit in diesem Prozess zu verankern und z. B. Verhältnisprävention zu thematisieren.
Sustainable personnel policies and the exploitation of vitalities through self-improvement

The ageing of the working population and prospective shortages of skilled labour urge organizations to pursue a sustainable personnel policy, which aims at the preservation of employability based on principles of sustainable work. Directly addressing the behaviour of workers, this involves more comprehensive access to individual work capacities, and to the workers' private life and individual ecological self-determination. In terms of an ideological subjectivation, the (forced) shift from self-care to self-improvement can be interpreted as an exploitation of vitality, in core aiming at an optimized quality of labour power and an erosion of solidarity in organizations. In question is, if and how employees and works councils succeed in establishing elements of sustainable work, e. g. to pick prevention as a central theme.

Tobias Ritter, Stefan Sauer

Wir gehen von der Diagnose aus, dass gesellschaftliche und ökonomische Diskurse zur ökologischen Nachhaltigkeit unter einer gewissen Handlungsvergessenheit leiden. Um dieses Defizit zu bearbeiten, stellen wir empirisch und konzeptionell unterfütterte Überlegungen zum Nachhaltigkeitshandeln und zur Nachhaltigkeitskompetenz von Produktionsbeschäftigten vor. Dabei zeigen wir auf, dass ökologische Nachhaltigkeit ein – freilich voraussetzungsvolles – relevantes Handlungsziel sowohl aus Beschäftigten- als auch aus betrieblicher Perspektive bilden kann. Des Weiteren legen wir ein evaluiertes Workshop-Konzept zur Unterstützung dieses Handlungsziels vor.
Sustainability competence as ecological and social action competence

Our diagnosis is that discourses concerning ecological sustainability in society and economy tend to omit the level of human action. In order to mend this deficit, we present empirically and conceptually underpinned reflections of sustainable action and sustainability competence at the hands of manufacturing workers. We show that ecological sustainability can be a relevant – albeit demanding – goal of action for both companies and employees. Moreover, we present an evaluated workshop concept to support this goal.

Katrin Roller

Arbeitsbedingte räumliche Mobilität stellt Betriebe und Beschäftigte vor spezifische Herausforderungen: Sie führt zu tiefgreifenden Veränderungen der Arbeits- und Lebenspraxis der mobilen Erwerbstätigen und muss betrieblich geregelt werden. Der vorliegende Artikel arbeitet die grundlegenden Herausforderungen und Problematiken der Mobilitätsformen Dienstreise und Wochenendpendeln heraus, zeigt betriebliche Umgangspraktiken auf und diskutiert sie im Hinblick auf soziale und ökologische Kriterien von Nachhaltigkeit. Damit sind gesundheitliche und soziale Reproduktionszusammenhänge sowie kursorisch der CO2-Ausstoß, verursacht durch steigendes betriebliches Verkehrsaufkommen, gemeint. Nachhaltigkeit wird hierbei als normatives betriebliches Konzept verstanden, welches als Leitprinzip Arbeit organisiert und gestaltet. Der Artikel untersucht, ob Nachhaltigkeit eine betriebliche Leitgröße darstellt und inwiefern mobilitätsbezogene Nachhaltigkeitsziele betrieblich umgesetzt werden (können).
Work-related Mobility – Challenges and Demands. Perspectives on Sustainable Mobility in Corporate Frameworks

Work-related mobility has strong impacts on the working and living conditions of mobile employees and even on companies. This article shows the fundamental challenges and difficulties of business travel on the one hand and weekly commuting on the other hand. Against the backdrop of a conception of social and ecological sustainability, the mobile practice and mobility regulation within the companies are discussed by two case studies. In this context, sustainability concretizes as a normative corporate concept which shapes the organization of work and mobility. First, the article aims to analyze if sustainability could be seen as a general principle in companies. Second, the article asks if and in which way companies realize sustainable mobility.

Eva Clasen, Florian Krause, Axel Haunschild, Rita Meyer, Hans-Gerd Ridder

Das Phänomen Nachhaltigkeit wird zunehmend zu einem Gegenstand der Forschung. Im betrieblichen Kontext wird jedoch nur selten untersucht, ob nachhaltigkeitsbezogene Aktivitäten in Unternehmen tatsächlich nachhaltig sind, d. h. ob sie dauerhaft umgesetzt und die mit ihnen intendierten Wirkungen auch tatsächlich erzielt werden. Die Frage, inwiefern Mitbestimmung – und spezifisch Betriebsvereinbarungen – eine Voraussetzung für eine nachhaltige Nachhaltigkeit sein können, wird mit der Sekundäranalyse von Betriebsvereinbarungen zum Arbeits- und Gesundheitsschutz als ein Aspekt sozialer Nachhaltigkeit untersucht. Im Fokus stehen hier die Ergebnisse der Aushandlungsprozesse zwischen der betrieblichen Interessenvertretung und der Unternehmensleitung, die in Betriebsvereinbarungen münden. Es wird argumentiert, dass Betriebsvereinbarungen dann als zentrale Voraussetzung für die dauerhafte Verankerung von Nachhaltigkeitsthemen gelten können, wenn eine Prozesskette von Thematisierung, Implementierung, Institutionalisierung sowie Verstetigung vorliegt. Betriebsvereinbarungen können, je nach Durchsetzungsmacht des Betriebsrats, ein wirkmächtiges Instrument sein. Jedoch bedarf es Betriebsfallstudien, um zu prüfen, ob die Papierlage sich im betrieblichen Alltag bestätigt.
Co-determination as a prerequisite for a sustainable Sustainability?

Sustainability is increasingly becoming an object of research. However, questions of whether sustainability-related activities are actually sustainable have rarely been examined: Are those activities permanently implemented into corporate practice and do they actually achieve their purposes? In this paper, the focus is on the question whether and how co-determination and especially plant-level agreements can be interpreted as a template for sustainable sustainability. For this purpose, plant-level agreements between works councils and management on occupational health and safety as one aspect of the social dimension of sustainability are analysed. It is argued that plant-level agreements can reflect central prerequisites for sustainable sustainability activities if they reflect a process chain of introducing, implementing, institutionalizing and continuing an activity. A plant-level agreement can further be seen as an important source of power since it is a result of balancing the different logics of works councils and management. Further research in the project will focus on case studies in companies that have been selected because of their plant-level agreements.

Martin Fritz

Der Beitrag geht der Frage nach, welche Besonderheiten Genossenschaften zu beispielhaften Akteuren der Nachhaltigkeit und nachhaltigen Arbeit machen. Dazu wird ein Begriff der Nachhaltigkeit eingeführt, in dem die drei Dimensionen des Ökonomischen, Sozialen und Ökologischen wechselseitig aufeinander bezogen sind und auf die Tätigkeit der Arbeit angewandt werden. Anschließend werden die vorwiegend in lokalen Kontexten tätigen Genossenschaften als Unternehmens- und Rechtsform vorgestellt. Wichtige Leitideen wie Kooperation, Partizipation und Autonomie werden erläutert und als spezifisch genossenschaftliche Merkmale das Identitätsprinzip sowie der Förderzweck identifiziert. Entlang der drei Nachhaltigkeitsdimensionen verdeutlichen die im Folgenden diskutierten theoretischen Argumente und empirisches Datenmaterial, wie diese beiden Prinzipien zu nachhaltiger Arbeit führen. Dabei werden auch Parallelen gezogen zu den Kriterien einer erfolgreichen Bewirtschaftung von Gemeingütern (Commons) und schließlich auf die Notwendigkeit von repräsentativen Studien zu Genossenschaften verwiesen, um Wissen darüber zu erlangen, wie deren Nachhaltigkeitspotenziale auch in anderen Unternehmensformen und über lokale Zusammenhänge hinaus genutzt werden können.
Cooperatives and sustainable work

This paper investigates the values and principles of cooperatives and relates them to the triple bottom line of sustainability: economic, social and ecological. Sustainable work is conceptualized in a similar way understanding the three dimensions as interdependent aspects of using resources responsibly. Furthermore, the mainly locally operating cooperatives are discussed as a legal form of a company. Their guiding principles such as solidarity, democratic participation and autonomy are introduced and two distinguishing features recognized: the identity principle and the purpose of self-help. Following the three dimensions of sustainability, the article discusses theoretical arguments and presents empirical data showing how these two principles lead to a realization of sustainable work. The paper also draws parallels between cooperatives’ principles and managing the ‘commons’. It concludes calling for representative surveys on cooperatives in order to learn more about how to apply cooperatives’ principles in other companies and beyond local realities.

Georg Jochum, Leonor Quinteros-Ochoa

Angesichts einer drastischen Übernutzung der maritimen Fischbestände wird vielfach ein Übergang zu einer nachhaltigen Fischerei eingefordert. Favorisiert werden häufig Strategien einer Privatisierung und Vermarktlichung der Fangrechte, um einen verantwortungsvollen, nachhaltigen Umgang mit den maritimen Ressourcen zu erreichen. Wie allerdings am Beispiel der Neuordnung der Fischerei in Chile durch das Gesetz „Ley Longueira“ im vorliegenden Artikel deutlich gemacht wird, führen diese Strategien zur Verdrängung traditioneller Kleinfischer und sie fördern letztlich eine ökologisch problematische industrielle Fischerei. Unter Bezug auf das sozial-ökologische Leitbild der nachhaltigen Arbeit kann konstatiert werden, dass marktbasierte Strategien zur Erreichung von Nachhaltigkeit in der Fischerei zumeist ihr Ziel verfehlen. Sie verschärfen die sozialen und ökologischen Krisen und legitimieren teilweise Praktiken des Ocean Grabbings. Um eine nachhaltige Arbeit in der Fischerei zu gewährleisten, sind daher gemeinschaftsbasierte Ansätze der Ressourcennutzung zu bevorzugen.
Controversy about sustainable work – The example of fisheries in Chile

In view of the drastic overexploitation of maritime fish stocks, a transition towards a sustainable fishery is required. Strategies of privatization and marketisation of fishing rights are commonly favored in order to achieve a responsible and sustainable management of maritime resources. However, as set out in this article by the example of the reorganization of the fishery by the law “Ley Longueira” in Chile, these strategies often displace traditional small-scale fisheries and ultimately promote an industrial fishery, which is ecologically problematic. As can be argued with reference to the socio-ecological model of “sustainable work”, market-based strategies to achieve sustainability in fisheries often fail. They exacerbate the social and ecological crises and legitimize ocean grabbing. To ensure sustainable work in fisheries, community-based approaches to resource use are therefore preferable.

Hans J. Pongratz, Sarah Bormann

Unter Online-Arbeit sind Formen bezahlter Arbeit zu verstehen, deren Abwicklung vollständig online und entsprechend den Regularien einer Internet-Plattform erfolgt (‚Crowdworking‘). Auf der Grundlage mehrerer aktueller empirischer Studien (einschließlich einer eigenen Online-Befragung selbstständiger ver.di-Mitglieder) werden Ausmaß, Charakter und Auswirkungen von Online-Arbeit in Deutschland abzuschätzen versucht. Es zeigt sich, dass die Gruppe der Online-Arbeitenden ausgesprochen heterogen ist und gleichermaßen Solo-Selbstständige, Angestellte und Nicht-Erwerbstätige umfasst. ‚Crowdwork‘ wird ganz überwiegend als Zuverdienst gesehen und mit verschiedensten Einkommens- sowie Erwerbsarten kombiniert. Die Unzufriedenheit mit den Arbeitsbedingungen ist vergleichsweise hoch, vor allem im Hinblick auf die geringe Bezahlung, unbezahlte Leistungen und den harten Preiskampf. Diese Ergebnisse werfen nicht nur Fragen der Gestaltung von Online-Arbeit über Internet-Plattformen auf, sondern auch nach der gesellschaftlichen Relevanz und der arbeits- sowie sozialpolitischen Regulierung von Einkommens- und Erwerbskombinationen generell.
Online Labour on Internet Platforms. Empirical Findings on ‘Crowd work’ in Germany

The specific characteristic of online labour as a crowdsourcing of paid work is that the whole work process is carried out online according to the rules of an internet platform (‘crowd work’). Extent, characteristics and impact of online labour in Germany are evaluated on the empirical basis of several recent surveys (including the authors’ online survey of self-employed members of the services union ver.di). Findings prove that online workers are a very heterogeneous group comprising own-account workers, employees and non-working people to approximately the same magnitude. In most cases, online labour only provides additional earnings and is combined with various other sources of income. Dissatisfaction with working conditions is high, especially with regard to low payment, unremunerated work and highly competitive pricing. These results not only question the organization of online labour on internet platforms. In a wider societal context the regulation of combinations of different forms of labour and income comes into the focus of social policy and industrial relations.